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Schulden für einen Tag

Viele italienische Familien lassen sich die Hochzeit ein Vermögen kosten

Hochzeit in Italien: eine der kostspieligsten und schönsten Traditionen. Vor allem im Süden ist die kirchliche Trauung inklusive schickem Brautkleid und rauschendem Fest in einem angesagten und teuren Restaurant ein Muss.

„Wir gehören nicht zur Norm mit unseren 80 Gästen“, sagen Ennio Guidato und seine Frau Patrizia. Das Paar hat 1996 geheiratet und erinnert sich noch genau an die peniblen Vorbereitungen. „Es war wirklich anstrengend, aber es musste ein perfekter Tag werden“, erinnert sich Patrizia. 

Ist erst einmal der Termin der Hochzeit festgelegt, beginnt der eigentliche Spießrutenlauf: Friseur, Fotograf, Kosmetikerin, Blumendekoration, Reservierung des Restaurants und nicht zuletzt das Brautkleid. Perfektion hat allerdings ihren Preis. „Viele Familien verschulden sich für ihre Hochzeiten, die im Durchschnitt rund 25 000 Euro kosten“, erzählt Ennio Guidato. „Allein der Fotograf will 2 500 Euro. Das Fotoalbum kostet 500 Euro extra“.

Wenn man in ein angesagtes Restaurant geht und ein Fischmenü für alle bestellt, muss man mit 10 000 Euro rechnen“, erzählt Ennio weiter. Zu guter Letzt der Friseur: „Meine Schwester hat für ihre Hochzeitsfrisur 200 Euro bezahlt“, erzählt Patrizia. Die Anwältin war schlauer, „Ich bin am Tag meiner Hochzeit zum Friseur gegangen und habe gesagt, ich wäre nur Brautzeugin – und habe 20 Euro gezahlt.“ 
Beim Brautkleid war Patrizia vorsichtiger. „Zwei Monate vorher bin ich zu einer Schneiderin gegangen, das Kleid hatte ich bereits im Kopf.“ Patrizia ist ein unkomplizierter Fall. „Manchmal kommen die Frauen schon sechs Monate vor der Hochzeit zu uns“, erzählt die Modedesignerin Barbara Grieco (32), die im Brautmodengeschäft ihrer Mutter mitarbeitet. „Bei uns kostet ein Brautkleid zwischen 1 000 und 3 000 Euro“, sagt Barbara. „Das hängt natürlich vom Stoff ab. Ein Designer-Kleid kann bis zu 10 000 Euro kosten.“ 
Aber wer wählt eigentlich das Kleid? „Im Süden kommt die Braut oft in Begleitung ihrer zukünftigen Schwiegermutter und ihren Schwägerinnen“, erzählt Barbara. „Die Tradition will, dass die Familie des Mannes das Kleid bezahlt. Deshalb haben die Damen der Familie auch ein Wörtchen mitzureden.“

Bei Gabriella Lojacono läuft das anders. „Das Kleid bringt die Braut von zu Hause mit“, erzählt die Hochzeits-Planerin aus Rom, die seit fünf Jahren Trauungen in Italien für ausländische Paare organisiert. Ihr Preis ? „Bisher hat sich noch kein Paar beklagt“, erklärt Gabriella Lojacono etwas pikiert. Eine Zahl steht allerdings fest: In Rom kostet die standesamtliche Hochzeit zwischen 150 und 250 Euro, je nachdem zu welcher Tages- und Jahreszeit man heiratet. Florenz will bis zu 500 Euro, Venedig 1 000 Euro für die Trauung in der Gemeinde.

Alexandra Barone

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